Rückblick Vortrag „Wissenschaft und Halbwissen“ am 10.03.2026 mit Ernährungswissenschaftlerin Claudia Conzelmann

Großen Anklang fand letzte Woche der informative Vortrag mit Ernährungswissenschaftlerin Claudia Conzelmann im Bürgerhaus. In ihrem Vortrag schauten wir uns gemeinsam die größten Ernährungsmythen an und prüften sie auf ihren Wahrheitsgehalt. Frau Conzelmann erklärte anschaulich, welche Rolle Ernährung für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit spielt. Ernährungsmythen sind weit verbreitet, weil Ernährung ein komplexes Thema ist und Studienergebnisse oft vereinfacht oder aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt werden. Manche Mythen sind bekannt, manche ließen uns aber auch staunen. Hier ist ein kurzer Überblick über einige der häufigsten Mythen – und was die Forschung dazu sagt.
1. „Dunkles Brot ist besser als Weißbrot“
Die Farbe sagt wenig aus. Viele Brote sind nur durch Malz oder Zuckersirup dunkel gefärbt. Wirklich nährstoffreicher ist Vollkornbrot, weil das ganze Korn verarbeitet wird
und deshalb punktet Vollkornbrot mit vielen wertvollen Inhaltsstoffen: Ballaststoffe
Mineralstoffe (Calcium, Magnesium) und B-Vitamine. Vollkornbrot stabilisiert den Blutzuckerspiegel und wenn Vollkorn draufsteht, muss mindestens 90% Vollkornmehl enthalten sein
2. Milch enthält viele Hormone, die auch Krebszellen fördern können. Daher sollte man keine Milchprodukte konsumieren
Der aktuelle wissenschaftlichen Stand: Milch enthält tatsächlich natürliche Hormone, aber in sehr kleinen Mengen. Diese werden größtenteils im Verdauungssystem abgebaut. Die aktuelle Forschung zeigt keinen klaren Zusammenhang zwischen normalem Milchkonsum und den meisten Krebsarten. Täglicher Verzehr von Milchprodukten senkt wahrscheinlich sogar das Darmkrebsrisiko (durch das enthaltene Calcium) Hoher Milchkonsum (>1,3 Liter/Tag) könnte aber das Prostatakrebs- Risiko erhöhen.
3. „Leitungswasser kann man heute nicht mehr trinken“
Leitungswasser ist eines der besten kontrolliertesten Lebensmittel in Deutschland. Die Trinkwasserverordnung schreibt für Leitungswasser strengere Grenzwerte vor als für Mineralwasser und es gelten strenge Grenzwerte zu Rückständen und verschiedenen Stoffe: wie Pflanzenschutzmitteln und Nitrat. Größtes Risiko bei Leitungswasser sind alte Rohre im eigenen Haus.
4. „Eier sind schlecht für den Cholesterinspiegel“
Eier enthalten zwar Cholesterin, aber für die meisten Menschen hat Nahrungs-Cholesterin nur begrenzten Einfluss auf den Cholesterinspiegel im Blut. Eier enthalten auch viele wertvolle Bestandteile wertvolles Protein, fettlösliche Vitamine, Mineralstoffe (Calcium, Phosphor und Eisen) 3 Eier pro Woche sind völlig in Ordnung.
5. „Ein Glas Rotwein am Tag schützt das Herz“
Einzelne Studien zeigen, dass bei moderatem Konsum die Sterblichkeit sinkt, ABER: Vergleich mit Nicht-Trinkern! Dort sind auch viele Personen mit Vorerkrankungen, die dann die Sterblichkeit erhöhen. Viele die Rotwein trinken, ernähren sich auch eher mediterran.
Trotzdem: Alkohol ist ein Zellgift und sollte trotz allem nur in Maßen genossen werden!
6. „Spinat darf nicht wieder aufgewärmt werden“
Spinat enthält große Mengen Nitrat (besonders in den Wintermonaten bei frischem Spinat).
Nitrat kann durch Mikroorganismen bei Wärme zu Nitrit abgebaut werden.
Bei rascher Abkühlung und Lagerung in einem sauberen Gefäß im Kühlschrank, kann man aber Spinat bedenkenlos wieder aufwärmen
7. „Spinat enthält besonders viel Eisen“
Der Mythos entstand durch einen historischen Rechenfehler in einer alten Analyse.
Spinat enthält zwar Eisen und ist auch eine gute Eisenquelle, allerdings ist der Eisengehalt nicht so hoch wie angenommen. Ein Teil wird schlecht aufgenommen (wegen Oxalsäure). Andere Lebensmittel liefern oft besser verfügbares Eisen. Tipp: am besten noch mit Vitamin C-haltigen Nahrungsmitteln kombinieren, das erhöht die Aufnahme.
8. „Bio-Lebensmittel sind automatisch gesünder“
Beim Nährstoffgehalt sind die Unterschiede meist klein oder uneinheitlich. Bio kann ökologische Vorteile haben, aber es ist nicht automatisch „vitaminreicher“.
Biologisch produzierte Lebensmittel müssen laut einer EU-Verordnung besonders produziert sein um das EU-BIO-Siegel tragen zu dürfen. Der Hauptunterschied liegt in der Produktionsweise. Bio hat andere Anbaumethoden, keinen Einsatz von synthetischem Dünger und Pflanzenschutzmittel, ohne Gentechnik und mehr Tierwohl.
9. „Obst enthält Vitamine, Gemüse und Mineralstoffe“
Sowohl Obst als auch Gemüse enthalten Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen.„Gemüse hält das, was Obst verspricht“ und
Gemüse enthält oft sogar noch mehr Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe.
Der gesundheitliche Vorteil kommt vor allem aus der Vielfalt.
10. „Am Abend viel zu essen lässt einen zunehmen“
Viele glauben, dass spätes Essen automatisch zu Gewichtszunahme führt. Der Körper „schaltet“ nachts aber nicht plötzlich auf Fett speichern um. Ob man zu- oder abnimmt hängt von der Kalorienbilanz ab, nicht von der Tageszeit und es kommt drauf an, was wir essen und wieviel wir uns bewegen. Viele Menschen haben auch einen schlechten Schlaf, wenn sie spät essen und oft werden abends noch süße und fettige Snacks verzehrt, die unsere Kalorienbilanz erhöhen.
Kurzfazit:
Viele Ernährungsmythen entstehen durch alte Studien oder Fehlinterpretationen, Marketing und stark vereinfachte Gesundheitsregeln.
Die meisten wissenschaftlichen Empfehlungen laufen auf etwas sehr Einfaches hinaus:
viel pflanzliche Lebensmittel, wenig stark verarbeitete Produkte und insgesamt eine ausgewogene Ernährung helfen der Gesundheit!
Herzlichen Dank an Frau Conzelmann für diesen informativen Abend!

