28. März 2026 - Beiträge - Allgemein

Rückblick Vortrag „Pionierinnen“ am 24. März mit Dr. Karin de la Roi-Frey

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Großes Interesse fand der Vortrag von Frau Dr. de la Roi-Frey bei den LandFrauen Notzingen-Wellingen am vergangenen Dienstag. Die sympathische Historikerin, die dem Verein seit vielen Jahren verbunden ist, war bereits zum zehnten Mal als Referentin zu Gast und begeisterte ihr Publikum erneut mit ihrer lebendigen und unterhaltsamen Vortragsweise.

Im Mittelpunkt standen die „Pionierinnen“ der vergangenen 300 Jahre. Anschaulich zeigte Frau Dr. de la Roi-Frey, unter welchen schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen, Frauen früher lebten und wirkten. Noch im 19. Jahrhundert war das Frauenbild stark von patriarchalen Vorstellungen geprägt und der Zugang zu Bildung blieb ihnen weitgehend verwehrt. Zitat von William Shakespeare aus der Tragödie Hamlet „Schwachheit, dein Name ist Weib!“ Erst um 1900 – in Baden sogar etwas früher als in Württemberg – wurden Frauen offiziell zum Studium zugelassen.

Anhand ausgewählter Biografien stellte die Referentin beeindruckende Frauenpersönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Kultur vor:

Die in Heidelberg geborene Elisabeth von der Pfalz (1618-1680) war Philosophin, Mathematikerin und Wissenschaftlerin. Durch ihre Arbeiten nahm sie eine bedeutende Stellung in der Geschichte des Feminismus innerhalb der Philosophie ein.

Eine der bedeutendsten deutschen Naturforscherinnen ist Maria Sibylla Merian (1642-1717). Pflanzen und Tierarten sowie zahlreiche Plätze, Schulen und Forschungszentren wurden nach ihr benannt.

Die in Deutschland gebürtige Astronomin, Caroline Lucretia Herschel (1750-1848) war eine bedeutende Astronomin und erhielt als wissenschaftliche Mitarbeiterin ihres Bruders ein festes Gehalt.

Henriette Davidis (1801-1876) war eine deutsche Schriftstellerin und gilt als Deutschlands berühmteste Kochbuchautorin des 19. Jahrhunderts. Sie verfasste auch zahlreiche Erziehungsschriften, die ebenfalls hohe Auflagen erzielten.

George Sand ist das Pseudonym der französischen Schriftstellerin Amantine Aurore Lucile Dupin (1804-1876). Sie veröffentlichte gesellschaftskritische Beiträge und setzte sich für feministische und sozialkritische Ziele ein und war wohl die bekannteste Geliebte von Frédéric Chopin.

Bertha Freifrau von Suttner (1843-1914) wurde 1905 als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ihr berühmtestes Werk „Die Waffen nieder!“ machte sie zu einer führenden Persönlichkeit der internationalen Friedensbewegung.

Die Russin Nadezhda Suslova (1843-1918) gilt als Pionierin des Frauenstudiums. Die hochbegabte Frau aus einfachen Verhältnissen bestand alle Prüfungen mit Bravour und war die erste promovierte russische Medizinerin.

Fanny Bullock Workman (1859-1925) war eine US-amerikanische Schriftstellerin, Bergsteigerin und Frauenrechtlerin. Hosen waren zu damaliger Zeit verpönt, so erklomm sie im Rock zusammen mit ihrem Mann den Pinnacle Peak im Himalaya mit einer Gipfelhöhe von fast 7000 m. Vorreiterin war Henriette d’Angeville (sie stand als zweite Frau 1838 auf dem Mont Blanc), die sich über die vorgeschriebene Kleiderordnung hinwegsetzte und ein Kostüm entwarf, das aus einem kurzen Kleid über langen Hosen bestand.

1903 wurde Marie Curie (1867-1934) gemeinsam mit ihrem Mann mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet und 1911 erhielt sie den Nobelpreis für Chemie allein. Sie ist bis heute die einzige Frau, die zwei Nobelpreise in unterschiedlichen wissenschaftlichen Gebieten gewann.

1868 hat Martha Jones als erste afroamerikanische Frau ein US-Patent für die Erfindung einer landwirtschaftlichen Maschine erhalten, die Mais in einem Arbeitsgang schält und entpelzt.

Nach dem Ersten Weltkrieg war es Coco Chanel (1883-1971), die zur „Pionierin der Frauenhose“ wurde.  Zuvor waren Hosen lediglich Männern vorbehalten. Das Tragen von Modeschmuck war ebenso revolutionär, da sie die Frauen durch ihre Mode von konventionellen Zwängen befreien wollte und ihnen einen selbstbewussten, modernen Auftritt ermöglichten. Sie kreierte auffälligen Modeschmuck, der bezahlbar wurde, ohne jegliche Eleganz zu verlieren.

Eine bedeutende deutsche Politikerin war Louise Schroeder (1887-1957). Sie war die erste Oberbürgermeisterin Berlins und brachte 1920 in der Weimarer Nationalversammlung das erste Mutterschutzgesetz in Deutschland ein. Unter dem Beinamen „Mutter Courage Berlins“ ist sie besser bekannt. Sie führte die Geschäfte während der sowjetischen Blockade kommissarisch weiter, da Ernst Reuter von der Sowjetunion nicht akzeptiert wurde.

Emma Sophie Schwarzhaupt (1901-1986) war die erste Frau, die in einem Kabinett der Bundesrepublik Deutschland angehörte und war Bundesministerin für Gesundheitswesen der CDU.

„Lenelotte“ von Bothmer (1915-1997) war eine deutsche SPD-Politikerin und Schriftstellerin. Einen Skandal löste sie am 14.10.1970 aus, weil sie als erste Frau in einem Hosenanzug im Plenum erschien.

Eine weitere berühmte Wissenschaftlerin war Elisabeth Mann Borgese (1918-2002). Sie war eine Seerechtsexpertin und Autorin und das erste weibliche Mitglied im Club of Rome.

Bereits 1963 durfte Annerose Neumann im DDR-Fernsehen die Nachrichten verlesen. In der BRD war dies erst 1971 durch Wibke Bruhns im „ZDF heute“. Dagmar Berghoff war in der Hauptausgabe der ARD-Tagesschau die erste weibliche Sprecherin. Die Einführung weiblicher Nachrichtensprecherinnen stieß anfangs auf Widerstand der Zuschauer.

Frau Dr. de la Roi-Frey ging immer wieder auch auf die gesellschaftlichen Entwicklungen ein, etwa die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1918 in Deutschland, das einen bedeutenden Schritt in Richtung Gleichberechtigung darstellte.

Der Vortrag machte deutlich, mit wie viel Mut, Durchhaltevermögen und Entschlossenheit diese Frauen ihren Weg gegangen sind und damit den Grundstein für viele Rechte gelegt haben, die heute selbstverständlich erscheinen.

Ein herzliches Dankeschön an Frau Dr. de la Roi-Frey für den kurzweiligen und informativen Vortrag. Es freut uns sehr, dass sie am 15. Dezember zu uns kommt mit dem Thema „Weihnachtsbriefe“.